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Über den Holzschneider von Dr.Rainer Zerbst 1999

Oelvogel Wie sehr er wohl darunter gelitten hätte, zeigt sein "Oelvogel". Aus dem Holz - wie immer bei den späten Arbeiten Bauscherts - erhebt sich ein mitleiderregendes Geschöpf mit verklebtem Gefieder, den Schnabel zum Schmerzensschrei geöffnet. Die Krallen wirken bereits wie ein Gerippe. Bauschert gestaltete diesen Vogel gewiss nicht aus einem naturschützerischen Engagement heraus, nicht politisch, nicht anklagend, sondern aus seiner Sympathie mit dem Vogel, mit der Natur heraus, und Sympathie, die Basis seinen Schaffens, heißt Mitleiden im umfassenden Sinn.
In dieser Hinsicht könnte sein Werk uns heute und in der Zukunft ein Symbol und eine Mahnung sein. Das war sein Engagement.
Sein Kollege Grieshaber hätte sein Engagement sicher anders gezeigt, hätte es gesellschaftspolitisch gemeint, hätte sich mit einem Holzschnitt für den Umweltschutz eingesetzt. Bauschert bleibt zurückhaltender in seinem Engagement, er setzt kein Fanal, er begnügt sich damit, das Leiden zu zeigen. Die Wirkung ist dieselbe, vielleicht ist sein Bild sogar aufrüttelnder, als wenn er einen Aufruf gestaltet hätte. Der Betrachter muss eben den kleinen Schritt vom Bild des Leidens zum Aufruf selbst vollziehen. Dem Ausdruck des Leidens aber kann er sich wohl kaum entziehen.
Kehren wir noch einmal zur "Flusslandschaft am Abend" zurück. Dieses Bild zeigt noch etwas Charakteristisches für Bauscherts Stil: sein Eingehen auf das Holz. In diesem Bild können Sie ganz deutlich die Maserung des Holzes erkennen, und auf späteren Bildern wird das noch deutlicher. Bauschert vertraute immer mehr auf das Holz, das zu seinem Partner wurde. Und er wusste auch genau, was das Holz im zu bieten hatte. Oft ließ er ein Holz, das er zufällig fand, liegen, bis es ihm für ein Bildvorhaben geeignet schien. Dabei bevorzugte er keineswegs "gutes" Holz. Es konnte durchaus Astlöcher, Unregelmäßigkeiten aufweisen. Bauschert nutzte sie, er verwendete sie, machte sie zum Teil seines Bildes. Das Holz ist bei ihm eben nicht nur Farbträger, sondern Gestaltungsmittel.

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