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Über den Holzschneider von Dr.Rainer Zerbst 1999

Vier Hühner stehen beisammen und recken alle die Köpfe nach hinten - vermutlich haben sie alle vier einen Wurm erspäht. So gierig wie sie bei Bauschert die Hälse recken, mögen Hühner ja durchaus sein, aber Bauschert überspitzt noch etwas - und lässt die Szene ins Komische umkippen, ins Heiter-Verspielte, und hat doch zugleich das Wesen der nach Würmern Ausschau haltenden Hühner erfasst - es sind übrigens glückliche Hühner, in Bodenhaltung, wir schreiben das Jahr 1962.
Oder das "Jeansmädchen" aus dem Jahr 1981. Schlank ist die junge Dame, wie angegossen sitzt die Hose. Ein perfektes Portrait - könnte man meinen. Aber was hat Bauschert da gemacht? Er seziert das Mädchen, setzt den Körper aus Einzelheiten zusammen. Stellvertretend für den Kopf sehen wir nur die lang herunterhängenden Haare; das Mädchen wendet uns den Rücken zu.
Dieser Rücken aber ist ganz ausgespart. An seine Stelle tritt das Weiß des Papiers. Einen Arm sieht man herunterhängen - ohne dass er an der Schulter mit dem Körper richtig verbunden wäre, und dann eben noch Gesäß und Beine schwarz - das ist die Hose mit Inhalt gewissermaßen.
Und trotzdem hat man den Eindruck, ein perfektes realistisches Portrait vor sich zu haben.

Bauschert kommt es immer wieder auf das Wesentliche an. Deshalb scheinen seine Holzschnitte nahe an der Natur zu sein, sie sind in Wirklichkeit aber Abstraktionen.

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