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Über den Holzschneider von Dr.Rainer Zerbst 1999

An dieser abendlichen Flusslandschaft sieht man das deutlich. Der Astknorren am unteren Bildrand ist "Fehler" im Holz; bei Bauschert wird unversehens ein Wasserwirbel im Strom daraus. Vielleicht hätte es auf seinem Holzschnitt einen solchen Wasserwirbel gar nicht gegeben, wenn nicht das Holz intakt gewesen wäre. Aber er sah den Astknorren - und erkannte, was sich daraus machen ließ. Wie wichtig Bauschert diese Eigenwertigkeit des Holzes war, zeigt auch die Tatsache, dass er das Bild an dieser Stelle sogar über den Bildrand hinausragen ließ.
Blaue Landschaft Und dann gibt es noch die "Blaue Landschaft" - ein besonders raffiniertes und zugleich ganz einfaches Bild. Raffiniert wegen der Farbe. Eine Landschaft - und blau! Aber bei Bauschert wirkt das ganz natürlich, man meint in eisig-kühle Morgenluft zu schauen, in der die Wolken sich fast wie die unter ihnen liegenden Berge zu Gebirgen auftürmen. Es ist ein kaltes - aber sehr schönes Bild - mutig: wie gesagt raffiniert wegen der Farbe. Und doch ganz einfach, denn Bauschert verwendete für dieses Bild fast nur die eingefärbte Maserung der Holzplatten. Da ist nichts mehr "eingeschnitten", und doch ist das ein perfekter Holzschnitt.
Sie können das ganze Spätwerk danach untersuchen, immer wieder werden Sie darauf stoßen, wie lapidar Bauschert diese späten Bilder gestaltete - spät, verglichen mit seinem Alter; er wurde ja 58 Jahre alt. Diese Einfachheit lässt die späten Holzschnitte sehr weise wirken, abgeklärt.
Winternacht
Die "Winternacht": dunkle Schatten am Boden im Vordergrund, darüber ganz hell die Schneefläche, nur von einigen spärlichen Maserungslinien durchbrochen, die den reflektierenden Sonnenschein darstellen.
Mann im Regen



Der "Mann im Regen". Die Felder zwischen denen er auf sein Haus im Hintergrund zustrebt, sind nichts als der bloße Abdruck von Holz.


Abschied im Park
Oder der "Abschied im Park" - sein letzter Holzschnitt. Auch hier wieder das Bekenntnis zum Holz, indem er es über weite Strecken ganz so ließ, wie es war, wie es gewachsen war. Und wenn man diese Bilder als Quintessenz seines Schaffens sieht, dann merkt man, wie sehr dieser Holzschneider sein Material, sein Arbeitswerkzeug - was das Holz ja ist - wie sehr er das liebte, mehr noch, wie er in ihm lebte. Bauschert war gerade dadurch ein Holzschneider par excellence - und deshalb ist es nur plausibel und konsequent, dass er sich sein Selbstportrait in einen Holzstamm druckte, dass er sich selbst im Holz verewigte.


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