Logo oberster Bereich

"Über den Holzschneider" - von Dr.Rainer Zerbst 2010

Vernissagerede 03.10.2010 in Renquishausen

Heiner Bauschert hat das wie kaum ein zweiter gemacht. Er hatte nämlich - man muss ja auch Geld zum Leben verdienen, Kunst gilt als brotlos - am Zoologischen Institut der Universität Tübingen die Stelle eines Technischen Zeichners angenommen, die er bis zu seinem Tod beibehielt. Seine Ausbildung hatte ihn dafür hervorragend gerüstet. Technische Vollendung, die nötige Exaktheit waren die Grundlage in allem, was er tat. So kommt es, dass man inmitten seiner zahlreichen, künstlerisch genau durchdachten Eigenschöpfungen immer wieder auch ganz realistische Tier- und Pflanzenabbildungen im Holzschnitt findet. Der Holzschnitt kam hier freilich weniger zum Einsatz; hier kam Bauschert seine umfassende zeichnerische Ausbildung zugute, und so mancher, der noch nie einen Holzschnitt von Bauschert gesehen hat, kennt Bauschert dennoch: durch zahlreiche Zeichnungen in Biologiebüchern, von großen Tieren bis hin zur kleinen Zelle, oder wie es der leider schon verstorbene Kunstkritiker Helmut Hornbogen witzig treffend formulierte: alles Mögliche zwischen Reblaus und Tiermagen.

Das wusste Heiner Bauschert, wenn er Holzschnitte schuf, und die Natur als Motiv war ihm immer wichtig. Nur im Medium Holzschnitt konnte er abstrahieren - musste es sogar, wir erinnern uns: Der Mann fürs Grobe. Aber nutzen konnte er es für feinen Ausdruck. An solchen Bildern zeigt sich auch, wie genau Bauschert seine Bilder strukturierte, komponierte, nicht nur von der Farbe her. Die "Figurengruppe" zum Beispiel. Die Figuren wirken auf den ersten Blick wie zufällig zusammengewürfelt, aber wenn Sie genau hinsehen, dann merken Sie, wie jede Figur genau zu den anderen hin ausgerichtet ist. Deshalb heißt dieses Bild auch zu recht nicht einfach:; "Figuren", sondern "Figurengruppe", genau das hat Heiner Bauschert gestaltet.

Und noch eines gehört zur Kunst des Holzschneiders. Wir haben am Anfang den Mann fürs Grobe gehabt, der unter dem Holz zu leiden scheint, weil er auf das Feine verzichten muss. Aber wir haben auch erlebt, dass er dadurch viel gewinnt, es wird ihm viel geschenkt - vor allem etwas, was bisher nur andeutungsweise anklang: Das Holz selbst nämlich. Es kann so schön sein, dass es, wir hatten es schon, wie von selbst wirkt. Bauschert hat das gern genutzt, wenn er ganze Landschaften darstellte: Die "Blaue Landschaft": ein besonders raffiniertes und zugleich ganz einfaches Bild. Raffiniert wegen der Farbe. Eine Landschaft - und blau! Aber bei Bauschert wirkt das ganz natürlich, man meint in eisig-kühle Morgenluft zu schauen, in der die Wolken sich fast wie die unter ihnen liegenden Berge zu Gebirgen auftürmen. Es ist ein kaltes - aber sehr schönes Bild - und mutig: wie gesagt raffiniert wegen der Farbe. Und doch ganz einfach, denn Bauschert verwendete für dieses Bild fast nur die eingefärbte Maserung der Holzplatten.

Zurück .:. Weiter

Seite 1 - Seite 2 - Seite 3 - Seite 4 - Seite 5 - Seite 6