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"Über den Holzschneider" - von Dr.Rainer Zerbst 2010

Vernissagerede 03.10.2010 in Renquishausen

Dabei ist an dieser Vorstellung durchaus etwas dran . Man braucht sich nur einmal das Handwerkszeug des Holzschneiders anzusehen: Die Geräte haben oft dicke Holzkugeln, damit sie vom Handballen mit Kraft durch das Holz getrieben werden können. Dann die martialischen Spitzen vorne, und erst die Begriffe! Der "Grabstichel" zum Beispiel, der "Geißfuß" und nicht zuletzt der "Stechbeitel". Was für ein Unterschied zum Kupferstecher. Der "sticht" zwar auch, keine schöne Vorstellung, aber er macht es mit einer dünnen Nadel, der Radiernadel, und damit zieht er feinste Linien in sein Metall. Der Kupferstecher also der Mann fürs Feine. Und dann das Material des Holzschneiders! Keine glatte, sogar glänzende edle Metallplatte, sondern Holz - faserig, grob. Gut, es wird oftmals geschliffen, aber es bleibt widerborstig. Wenn Sie mit dem scharfen Werkzeug längs der Maserung schneiden, dann bekommen Sie ja noch einigermaßen saubere Linien hin, aber versuchen Sie es einmal quer zur Maserung - das splittert! Oder gar diagonal - da rutscht man bei jeder neuen Maserung ab, Maserung selbst ist ja alles andere als sauber und geradlinig.

Was macht man mit einem solchen Material? Eine Möglichkeit: Man verzichtet eben, wie ich anfangs schon sagte, auf die feinen Linien, bei denen man ohnehin keine Chance hat, mehr noch: Man schneidet so wenig wie möglich in das Holz, belässt vielmehr die Flächen. Sie können das hier in der Ausstellung immer wieder sehen, am besten vielleicht bei dem Bild mit dem Dach. Was hat Heiner Bauschert hier gemacht? Er hat seitlich etwas vom Holz weggenommen, und dann große Flächen, leicht abgeschrägt, stehen gelassen - und das heißt beim Holzschnitt: Diese Flächen - zum Druck eingefärbt - finden sich dann auf dem Papier wieder. Holzschnitt ist ein so genanntes Hochdruckverfahren. Das, was man nicht wegschneidet, was hoch - erhaben - bleibt, nimmt die Farbe an und druckt. Ganz anders das Tiefdruckverfahren, zu dem auch unser erwähnter Kupferstich zählt: Da gräbt die Nadel Rillen ins Material, die Platte wird eingefärbt, dann wieder abgewischt, in den Ritzen bleibt die Farbe hängen, also in den tieferen Teilen, und die drucken dann. Etwas grundlegend anderes. Das Hochdruckverfahren haben Sie vermutlich alle schon einmal ausprobiert, auch wenn Sie noch nie einen Holzschnitt gemacht haben: Der Kartoffeldruck funktioniert genau so, ich habe das - Kartoffel waren billig - in der Schule so gelernt. Und auch der Linolschnitt funktioniert so. Nur: Linoleum ist glatt wie die Kupferplatte, ist weich, und hat keine störenden Fasern wie das Holz!

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