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"Über den Holzschneider" - von Dr.Rainer Zerbst 2008

Das ist Natur pur - unter den Händen eines Künstlers. Das ist "Sein" in Reinkultur, wenn wir noch einmal auf die Hamletsche Frage zurückkommen. Aber diese Präsenz des ganzen, fast unbearbeiteten Holzes kann erstaunlicherweise auch der Darstellung von Menschen, von Köpfen dienen. "Maja" heißt eine von zahlreichen Frauengestalten, die Bauschert geschaffen hat. Der Haarschopf - tiefes Schwarz, aber eindeutig von einem Holzstock gedruckt, nicht von einem Linoleumstück, denn da wäre das Schwarz eine homogene Fläche, hier blitzen weiße Punkte auf - Fehler im Holz, könnte man sagen, zugleich abermals ein Hinweis darauf, daß es abstrahierte Kunst ist, nicht Naturabbild.

Maja Diese Maja aber zeigt noch etwas anderes, gewissermaßen den Gegenpol. Wenn Sie sich nachher einmal von dem schwarzen, beneidenswert vollen Haarschopf, losreißen können, schauen Sie sich einmal an, wie Bauschert den Arm und die Hand dieser jungen Frau gestaltet hat. Das hätte er auch mit viel Holz, gewissermaßen wie ein Scherenschnitt, bewerkstellligen können. Aber da hat Bauschert zum Gegenteil gegriffen. Er hat aus dem Holzstock so gut wie alles entfernt. Vom Sein des Holzes kaum mehr eine Spur. Da ist fast nichts mehr vom Holz geblieben, aber eben nur fast. Bauschert hat für den Unterarm nur die äußeren Umrißlinien stehenlassen, dazwischen alles aus dem Holz entfernt, das Blatt ist an dieser Stelle vollkommen weiß. Das ist aber nicht einfach Nichts, das ist vielmehr die Andeutung von einem Nichtsein, denn wir spüren, daß da einmal Holz war. Es findet sich ganz unten am Arm eine leichte Schraffur, das ist ein Rest vom Holz. Alles übrige fehlt.
Dieses Bild ist ein vorzügliches Beispiel für Bauscherts Sinn für Struktur. Er hat sich genau überlegt, wo die Farbe auf einem Bild kompakt sein darf, vielleicht auch muß wie beim roten Dach, wo sie transparent sein muß - um Morgenstimmmung zu erzeugen wie bei der blauen Landschaft - und wo dem kompakten Schwarz ein Gegengewicht gesetzt werden muß, wie bei der Maja, denn wäre der Arm auch noch tiefschwarz, dann wäre die Frau eine ziemlich überwältigende, wenn nicht gar abstoßende Erscheinung. So aber hat sie etwas Graziöses an sich - durch die Gegenüberstellung von Farbe und Nichtfarbe, Holz und Nichtholz, Sein und Nichtsein.

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