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"Über den Holzschneider" - von Dr.Rainer Zerbst 2008

Heiner Bauschert hat sich erstaunlich oft sehr für das Sein eingesetzt. Manchmal fragt man sich, ob er überhaupt aus seiner Holzplatte etwas herausgeschnitten hat. Perfektes Beispiel dafür ist das berühmte Bild: "Rotes Dach". Da meint man, Bauschert habe eigentlich nur Holzflächen genommen, vielleicht ein bißchen zurechtgeschnitten, mit Farbe eingewalzt und dann gedruckt. Das Resultat ist ein Bild von unglaublicher Präsenz. Kein Wunder, möcht man sagen, schließlich hat er sich hier stark für das Sein beim Schneiden eingesetzt, für die Präsenz des Holzes. Das birgt Gefahren in sich. Denn eine solche Fläche, zumal wenn sie relativ groß ist, kann eintönig wirken. Dem begegnete Heiner Bauschert gerade bei diesem "Roten Dach" mit der sorgsamen Auswahl seines Holzes. Es war nicht ganz glatt. Immer wieder gab es kleine Unebenheiten - dadurch wurde der Farbauftrag differenziert, es gab kleine Faserrisse, dadurch wurde die Farbfläche aufgelockert. Das rote Dach

Und damit hat Bauschert zugleich deutlich gemacht: das ist keine realistische Abbildung eines Hausdaches, das ist ein Bild, ein Artefakt. Diese Gratwanderung finden Sie bei ihm immer wieder. Dabei hätte er durchaus das Zeug zum Realisten gehabt - und er hat es ja sein Leben über auch ausgeübt. Als er sich nämlich in den 50er Jahren für den oft brotlosen Künstlerberuf entschied, hat er zugleich auch dafür gesorgt, daß er etwas zu beißen hatte, und für den Brotberuf arbeitete er am Zoologischen Institut als Technischer Zeichner - fertigte außerdem viele Zeichnungen für biologische Lehrbücher an, in einer Zeit, als solche Bücher noch keine Fotoabbildungen hatten, das war zu teuer. Da kam es auf exakte Darstellung eines jeden Details an - im Holzschnitt konnte er abstrahieren, ja mußte er abstrahieren, denn Holz ist sperrig, setzt dem Eisen Widerstand entgegen, ist gelegentlich kantig. Ein Dach als Motiv ist da geradezu ideal, wenn man nicht viel aus dem Holz schneiden will, denn es besteht aus klaren Flächen.

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